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Und weitere geht’s

Nach einer doch etwas längeren Pause bin ich wieder da: E.coli euer Bakterium, für euch unterwegs in den Wirren des menschlichen Körpers. Ich habe in der Zwischenzeit viele Abenteuer erlebt, die in den kommenden Wochen hier niedergeschrieben werden. Seid gespannt!

Welche Abfahrt darf’s denn sein

Nachdem ich das letzte Mal erklärt bekommen habe wie das Nasenspray funktioniert, habe ich mich noch etwas in der Nase aufgehalten. Da ich aber die Riechzellen schon kannte, habe ich mich weiter hinein gewagt, in den Körper des Menschen. Am hinteren Ende der Nase ging es plötzlich abwärts, das musste die Luftröhre sein. Ich stieg vorsichtig hinab. Gar nicht so einfach wegen des vielen Schleims. Nach ein paar Zentimetern wurde die nunmehr vorherrschende Dunkelheit durch Lichtstrahlen gebrochen. Es war ein bizarrer Anblick, ich konnte von innen aus dem Mund herausschauen. “Nicht lange aufhalten, weiter geht’s in Richtung Lunge”, dachte ich und kletterte weiter.

 

Plötzlich stieß ich auf einen Abzweig. Die Luftröhre schien sich zu gabeln. Jetzt lag es an mir zu entscheiden, ob es rechts oder links weiter gehen sollte. Ich entschied mich für den rechten Weg und versuchte mein Zweifeln zu unterdrücken. “War das wirklich die richtige Entscheidung?” Ich konnte nicht lange darüber nachdenken, denn erneut traf ich auf eine Gabelung. Und damit nicht genug, die verzweigten Wege wurden immer enger, nichts für klaustrophobische Bakterien. Kurzum beschloss ab jetzt stets den rechten Abzweig zu nehmen.

Lunge

Die Luftröhre verzweigt sich in der Lunge immer und immer wieder.

Einige tausend gefühlte Gabelungen später steckte ich in einer Sackgasse. Der zuletzt hauchdünne Gang endete in einer Ansammlung von kleinen Bläschen – mit mir mittendrin. Doch ich will mich nicht beschweren, es wehte ein leichtes Lüftchen, es war warm und vor allem gut eingeschleimt. Doch eines war eklig: Ich konnte durch die Bläschenhaut schauen, sie musste unglaublich dünn sein. Dahinter befanden sich Millionen kleiner Blutgefäße. Alles gut sichtbar durch die knallrote Färbung der roten Blutkörperchen. Es war sonderbar. Die Blutkörperchen, die kamen, sahen gequält aus. Sie schleppten Unmengen von Kohlendioxid an. An der Bläschenwand ließen sie es fallen und streckten ihre Fühler nach Sauerstoff aus. Während das Kohlendioxid durch die Bläschenmembran wanderte, kam den Blutkörperchen der Sauerstoff tatsächlich entgegen. Dankbar nahmen sie ihn auf und setzten ihre Reise lächeln fort.

Ja ist denn schon…

… ein Monat vergangen? Ja, richtig. E.coli erzählt euch seit genau einem Monat seine Geschichten und Erlebnisse rund um die Biochemie eures Körpers. Ich darf euch sagen, dass es ihn sehr freut so viele Besucher zu Gast zu haben. An dieser Stelle deshalb ein großes Dankeschön an alle Leser!

Schnupfen? Gibt’s da nicht was von Bioschema?

Neulich war ich einmal mehr in der Nase eines jungen Schülers unterwegs. Wie ihr wisst ist das kein neues Terrain für mich, ihr könnt meine bisherigen Erfahrungen hier oder hier nachlesen. Dennoch wurde ich mit einer neuen Situation konfrontiert.

 

Gemütlich saß ich auf einer der Geruchszellen in der großen Nasenhöhle. Würde ich hier schreien, käme ein tausendfaches Echo zurück. Was ich stattdessen hörte, lies mich in Angst erstarren. Ein Rauschen, das nach und nach zu einem donnernden Grollen wurde. Gleichzeitig nahm seine Lautstärke stetig zu. Erst jetzt fiel mir auf, dass es gänzlich dunkel geworden war. Doch weiter konnte ich nicht denken, eine Welle von Schleim riss mich von meinem Ruheplatz fort. Nach und nach realisierte ich, dass sich der kleine Junge die Nase geputzt hatte. Bevor ich aber in den Untiefen des feuchten Taschentuchs landete, konnte ich mich an einem glatten, synthetischen Material festhalten, das sogleich wieder in die Nase eingeführt wurde. Ich klebte an der Spitze einer Nasenspray-Flasche. Toll.

Nasenspray

Ein oft gesehenes Bild im Herbst: Das Nasenspray.

Dieser Ort schien mir für einen ausgedehnten Mittagsschlaf nicht geeignet, denn aus der Spitze der Flasche schoss ein bitter schmeckender Strahl Nasenspray. All meine Kraft reichte nicht aus um mich auf dem Kunststoff festzuhalten. So ergab ich mich meinem Schicksal und wurde ins tiefe Innere der Nase geschwemmt. Im Nasenspray befanden sich viele Moleküle, die sich auf Nachfrage als Oxymetazolin vorstellten. Sie drangen nach und nach in die Nasenschleimhaut ein und nicht nur das. Mit etwas Mühe konnte ich erkennen, dass sie sich um die dort ansässigen Blutgefäße scharten. Aus der Schule wusste ich, dass selbst winzige Blutbahnen von Nervenzellen umgeben sind, die den Durchmesser des Gefäßes einstellen können. Genau an diese Nervenzellen hefteten sich die Oxymetazolin-Moleküle. In der Folge wurden die Zellen aktiviert und gaben das Signal zur Verengung der Kapillaren.

 

Plötzlich wehte ein frischer Wind in der Nase, ich verspürte die kalte Herbstluft. Durch die Verengung der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut wurde deren Schnupfenschwellung verringert. Das erkältete Kind konnte wieder frei atmen und ich konnte endlich schlafen.

Das Geheimnis der Impfviren

Herbstzeit ist Schnupfenzeit. Für manche – vor allem ältere Menschen - geht das Geplage noch einen Schritt weiter, sie bekommen eine handfeste Grippe. Die moderne Wissenschaft hat längst eine vorbeugende Behandlung gegen dieses Leiden etabliert: die jährliche Grippeimpfung. Von meinem Freund S.pneumoniae, der im Übrigen Zeitung lesen kann, weiß ich, dass es zur Zeit massive Probleme bei der Versorgung mit Impfstoff gibt.

 

Da ich als Bakterium ein einigermaßen neugieriges Wesen bin, habe ich mich auf den Weg in eine Allgemeinarztpraxis gemacht und mich auf eine Impfnadel gesetzt. Die Details des Einstichs in einen armen älteren Herrn möchte ich euch an dieser Stelle ersparen. Bereits in der Ampulle machte ich Bekanntschaft mit Influenza. Sie ist ein nettes Viruspartikelchen und neben der Tatsache, dass sie im Unterschied zu mir keinen Punkt im Namen trägt, ist sie auch noch deutlich kleiner als ich. Gewissermaßen als Ausgleich brachte sie ihre Zwillingsschwestern mit, sodass ich mir den Platz mit tausenden Viren teilte. Die romantische Ruhe wurde aber jäh unterbrochen als wir alle zusammen mit enormem Druck in den Körper des Patienten gedrängt wurden.

 

Die Influenza-Viren gewöhnten sich schnell an das neue, warme Milieu, mir war nach meinen letzten Bluterlebnissen eher bange zumute. Ich erkannte aber dennoch, dass die Viren von zahlreichen Zellen des Menschen in Empfang genommen wurden. Darunter auch meine Angstgegner – die Makrophagen. Erstaunlicherweise konnten die Zellen des menschlichen Immunsystems sehr schnell Herr über die Invasion der Viren werden. Gleichzeitig formten sich einige Körperzellen in Gedächtniszellen um. Kam es so weit, legten sich die betroffenen Zellen sofort schlafen. Erst später begriff ich, dass die ruhenden Zellen blitzschnell auf eine erneute Bedrohung von Grippeviren reagieren können. Der Impfschutz stand.

 

Doch die Frage blieb: Warum siegten bei der Impfung immer die Körperzellen gegen die eintretenden Viren? Ich sah mir eines der letzten Influenza-Viren genauer an. Mit einiger Mühe konnte ich erkennen, dass einige der Proteine, die Influenza auf ihrer Oberfläche trug, verkrüppelt waren. Es war ein abgeschwächtes Virus, von den Impfstoffherstellern ausgebremst.

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